Gedanken zum PR 2.0 Forum
Vorgestern war ich beim ersten PR 2.0 Forum in Hamburg dabei und es hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Vielen Dank an Tapio Liller und alle anderen Organisatoren. Sie haben es geschafft interessante und interessierte Menschen zusammenzubringen und ein tolles Programm auf die Beine zu stellen.
Vor allem kamen die Teilnehmer aus sehr unterschiedlichen Bereichen mit sehr unterschiedlichen Kenntnisständen sowohl aus Agenturen als auch aus Unternehmen. Dass mehr als 100 Menschen die Zeit fanden, aus ganz Deutschland kommend einen ganzen Tag ein solches Forum zu besuchen, zeigt zunächst die hohe Relevanz, die das Thema für die PR mittlerweile erlangt hat. Dabei waren eben nicht nur die dabei, die sich seit langem mit dem Thema auseinandersetzen, sondern auch Menschen, die noch nicht so viel wissen, aber merken, dass sich etwas tut, über das sie mehr Bescheid wissen wollen und sollten. Dieses hohe Interesse und der Wunsch nach Wissen war die ganze Zeit deutlich und zeigte sich in einem sehr regen Publikum im ersten Teil, dass immer wieder aktiv Konkretes und aktuelle Beispiele einforderte.
Der erste Teil bestand aus verschiedenen Panels, worauf dann ein Open Space Workshop folgte, in dem wir in Kleingruppen unterschiedliche Themen näher beleuchteten. Die beiden ersten Panels hatten zwar unterschiedliche Titel und Podiumsteilnehmer, letztendlich wurden aber ähnliche Themen besprochen, nämlich was dieses ganze Web 2.0 ausmacht, was das für Unternehmen bedeutet, wie Unternehmen sich verhalten sollten, welche Art Mitarbeiter es braucht für authentische Kommunikation und wo die Chancen, Herausforderungen, Probleme und Stolperfallen liegen. Man merkte, dass die Leute auf dem Podium sich gut auskannten und schon lange dabei sind. Dies war einerseits sehr interessant mit vielen bedenkenswerten Themen und Thesen, vor allem von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach (vieles von dem, was er sagte, wird hier im Blog sicher noch weiter zur Sprache kommen), andererseits führte das jedoch auch dazu, dass die Diskussion oft recht philosophisch und ein wenig abgehoben wurde; die Teilnehmer, die neu in dem Thema sind, konnten damit wenig Konkretes mitnehmen, was auch in den Wortmeldungen herauskam. Was ich merkte, war, dass die Menschen auf dem Podium wirklich Social Media mit Begeisterung und Interesse leben, eine Sache, die meiner Meinung nach mit die wichtigste Voraussetzung ist. Für noch nicht so Aktive reicht das jedoch eben nicht aus, sondern konkrete Beispiele, Anwendungsszenarien und vor allem Einstiegshilfen für Einzelne und Organisationen braucht es auch.
Beim letzten Panel des ersten Teils ging es um Storytelling, also um Geschichten. Und auch wenn es etwas wenig strukturiert und konkret war und etwas Unmut unter den Teilnehmern hervorrief, gefällt mir das Thema sehr gut. PR in und mit Social Media ist natürlich noch sehr viel mehr als Geschichten erzählen. So werden in Zukunft unter anderem Kundenservice und Produktentwicklung sehr viel enger mit PR verzahnt werden müssen. Geschichten sind nichtsdestotrotz das, was gute PR schon immer ausgezeichnet hat. Wenn es um Social Media geht, sprechen viele immer von Schnelligkeit, Echtzeit oder Sofortkontakt und die nötige direkte Reaktion. Dies alles sind wichtige Punkte; meiner Meinung nach ist es jedoch auch gerade die Entschleunigung der PR, was mit Social Media möglich wird. Eine Geschichte kann in ihrem vollen Umfang erzählt werden, mit allen anfänglichen Unfertigkeit, Wendungen und spontanen Weiterentwicklungen, die nötig sind und wie es in traditioneller PR nur bedingt möglich war. Und gerade die Möglichkeit, Feedback aufzunehmen und einzubauen und die Geschichten während des Erzählens in Social Media auch kontrovers zu diskutieren, macht, wie ich finde, den großen Reiz des Web 2.0 aus.
Der zweite Teil schließlich bestand aus einem Open Space Workshop. Es wurden mit allen Teilnehmern Themen besprochen, die dann in Kleingruppen näher beleuchtet wurden und die dann vor der ganzen Gruppe vorgestellt wurden. Dieser Ansatz ist sehr sinnvoll, denke ich, und hat sicher gerade den Neuen viel geholfen. Die Themen waren sehr vielfältig und reichten von Blogger Relations und Ansprache von Journalisten mit Social Media über Messbarkeit und Effizienz bis zum Abbauen von Widerständen.
Ich war in der Gruppe "Barrieren in Unternehmen abbauen" und auch hier kamen die Teilnehmer aus Unternehmen und Agenturen aus verschiedenen Branchen. Es waren Erfahrene und Neue im Thema dabei. Wir haben zwei Bereiche diskutiert und Merkmale und Wege aufgezeichnet: Einmal den Komplex Angst oder Scheu nehmen, unter anderem beim mittleren Management, sowie zum Zweiten das Thema Überzeugung der Geschäftsleitung. Es ging dabei um die konkrete Heranführung an die Technik, ganz nach dem Motto, dass Angst sehr oft schlicht Nichtwissen als Ursache hat, und andererseits um das Aufzeigen der Vorteile von Social Media für die Mitarbeiter (Motivation, Beteiligung etc.), ohne natürlich die Herausforderungen zu verheimlichen (Kontrolle, negatives Feedback etc.). Ich hoffe, dass das Gespräch den anderen Teilnehmern unserer Kleingruppe auch ähnliche gut gefallen hat wie mir und sie etwas mitnehmen konnten.
Von den Präsentationen der anderen Gruppen konnte ich leider nicht mehr viel mitnehmen, da ich mich dann auf in Richtung Süden machen musste; ich hoffe, dass die vorläufigen Ergebnisse im Netz weiterdiskutiert und entwickelt werden können. Das würde dem ganzen Thema natürlich sehr gerecht werden.
Anfang Dezember soll es das nächste PR 2.0 Forum in München geben. Ich bin gespannt.
Weitere Beiträge und Infos zum Forum (werden aktualisiert):
Rückblick: PR 2.0 Forum am 15.09. in Hamburg von Claudia Becker
PR 2.0 Forum 2009 von Michael Domsalla
PR 2.0 Forum in Hamburg auf dem Blog Konstruktiv PR
Alles ist neu und nichts ist anders von Anne Marei Blank
Liste der Tweets zu #pr2f sozusagen in Echtzeit... :-)
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