Der Betriebsrat, das unbekannte Wesen - Gedanken zum JamCamp
Das letzte Woche stattfindende erste (und hoffentlich nicht letzte) Lotus JamCamp war meiner persönlichen Meinung nach (wir waren als PR Agentur von IBM beteiligt) eine absolut besuchenswerte Veranstaltung. Die Teilnehmer haben über verschiedene Themen rund um Social Media, Enterprise 2.0 und Arbeitsplatz der Zukunft sehr offen und auch kontrovers diskutiert. Die Themen waren so vielfältig, dass es für mich schwer ist, einen zusammenfassenden Überblick zu machen und deswegen lasse ich das auch und möchte mich in einigen Beiträgen um einige für mich bedenkenswerte Punkte kümmern, die mir während des Camps und danach aufgefallen sind (und ich hoffe, dass ich diese Reihe durchhalte...).
Das erste ist das Thema Betriebsrat. Wir haben in Ehningen während der einzelnen Sessions rund um die Themen Enterprise 2.0 und Einbindung von Digital Residents/Natives in Unternehmen sehr viel über den Betriebsrat gesprochen: Welche Bedenken hat er? Wann greift er ein oder wann sollte er sich einschalten? Manch einer sieht in ihm eher eine unerwünschte Hürde. Schade war es, dass kein Mitglied eines Betriebsrates anwesend war oder sich zumindest keiner als solcher "geoutet" hatte. Für ein zweites JamCamp wäre eine dezidierte Session zu diesem Thema sicher sehr gut und zwar mit Leuten, die sich wirklich auskennen mit beiden Themen, sowohl Betriebsrat und Mitbestimmung als auch Social Media und Digital Natives. Die Frage, was denn der Wert des Betriebsrates bei dem derzeitigen Wandel in Unternehmen ist, würde sicher eine spannende Diskussion auslösen. Allgemeine Aufgabe des Betriebsrates ist laut dem Gehirn unserer Netzgesellschaft:
"Der Betriebsrat soll sich der Belange der Arbeitnehmer annehmen und Maßnahmen im Sinne der Arbeitnehmer beantragen und deren Anregungen aufgreifen. Er soll die Beschäftigung im Betrieb fördern und sichern."In diesem Sinne fallen mir sehr viele aktuelle Herausforderungen ein, wo ein Betriebsrat eine maßgebliche Rolle spielen könnte (und vielleicht in Unternehmen auch schon spielt?): Work-Life-Balance, Vereinbarung/Trennung Privates und Berufliches, flexibles Arbeiten oder die Aufklärung über Chancen und Risiken von Social Media. Dabei ist es natürlich wichtig, dass ein Betriebsrat auch aktiv bei dem Wandel dabei ist und diesen also mitgestaltet. Ganz konkret: Dass er sich zum Beispiel aktiv und öffentlich an Debatten im Internet zum Arbeitsplatz der Zukunft und Social Media innerhalb und außerhalb eines Unternehmens beteiligt. Und zwar grundsätzlich wertfrei oder offen und nicht mit den leider oft üblichen Vorbehalten eines Menschen, der sich nicht gut auskennt. Für mich als Laien ist ein Betriebsrat eine nicht sehr greifbare Institution und gerade bei Diskussionen in Verbindung mit Enterprise 2.0 und Social Media kommt er eher als Bremser rüber. Ich denke jedoch, damit machen es sich viele zu einfach. Gibt es eigentlich in Social Media aktive Betriebsrätler?
Da wird man als Mensch, der mit Gadgets arbeitet noch eher als Nutzer von Spielzeugen belächelt, denn ernst genommen. Ich muss deutlich sagen, heutige Betriebsräte haben oft noch sehr grosse Probleme mit den Potentialen des sozialen Netzes. Hier ist dringend ein Umdenken nötig. Wie man ja auch an dem aktuellen Schulterschluss von Verdi und der Urheberrechtslobby sieht. Ich wünsche mir einen Betriebsrat 2.0 erleben aber meist eher noch den 0.5 Alpha Release;)
Und was sind denn die Hauptbedenken, jetzt mal abgesehen von flexiblen Arbeitszeiten/Arbeitsplätzen?
Vieles ist da sehr Clicheehaft nach dem Prinzip, Arbeitgeber böse. Muss man immer das schlimmste annehmen.
Das Umdenken kommt ganz langsam alleine schon dadurch, dass sich die junge Generation mit solchen Ansichten immer seltener vertreten sieht. Die wollen flexibel sein, wollen keine so harten Grenzen und festen Arbeitszeiten.
Letztendlich ist das auch ein kulturelles und ein Generationenphänomen. Wenn ich halt noch in den alten Denkmustern verhaftet bin, dann sind mir moderne Arbeitsformen und Technologien fremd. Schön zu erkennen daran, dass auf den BR Sitzungen ich der einzige mit Notebook bin. Technik ist da eher notwendiges Übel.


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