16 Jul
2010
Christian kritisiert
das PR Barometer vom PR Journal und da ist viel Wahres dran. Auch ich finde, Fragen nach Kanälen und Tools sind nicht unbedingt die wichtigsten und es gehört natürlich mehr dazu, als nur einen Twitter Account zu haben, um Social Media sinnvoll in die PR zu integrieren. Wenn man jedoch wissen will,
"welche Instrumente des Web2.0 Ihren Alltag bestimmen und welchen Anteil sie an Ihrer Kommunikationsarbeit einnehmen", dann sind genau diese Fragen nach den Tools eben nötig. Und es sagt schon etwas über die Relevanz von Social Media für Unternehmen aus, wenn diese bei Facebook, Twitter oder mit eigenen Blogs präsent sind; zunächst einmal unabhängig davon, wie sie diese Tools genau nutzen. Jeder macht Fehler und lernt dazu, sowohl am Anfang als auch danach.
Der zweite Teil der PR-Arbeit in und mit Social Media sind dann eben die Beziehungen zu den relevanten - ja, ich schreibe jetzt einfach mal das Wort - Zielgruppen. Und da frage ich mich allerdings seit einiger Zeit, ob es sinnvoll ist, immer von DEN Bloggern zu sprechen, mit denen dann Unternehmen jetzt auf einmal anfangen müssen zu sprechen. Ganz so als ob es sich dabei um einen geschützten Beruf oder um eine irgendwie geartete homogene Gruppe handelt. Ich verrate jetzt mal ein Geheimnis: Die meisten Unternehmen und Agenturen reden schon mit Bloggern. Sogar regelmäßig. Denn wer ist mit den Bloggern eigentlich gemeint? Gehören Journalisten, die bloggen, dazu? Oder Analysten, PRler, Kinder, Senioren? Und inwiefern ändern sich das Verhalten und die Einstellung einer Journalistin der PR oder Unternehmen gegenüber, wenn sie auf einmal anfängt zu bloggen? Sie sagt in ihrem Blog oder auf Twitter vielleicht eher das, was sie denkt. Entscheidend für eine gute Beziehung zu dieser Journalistin ist aber eben genau das: Was sie denkt, über ein Unternehmen und deren PR-Arbeit.
Die Welt Kompakt hat zum Beispiel "Blogger, Twitterer und Co." eingeladen, an einer Ausgabe mitzuarbeiten. Die Gründe dafür waren allerdings wohl zuallererst, dass diese Menschen, die sich oft online aufhalten, gut vernetzt sind und dementsprechend viele weitere Menschen auch mit dieser Geschichte erreichen, und dass die Welt Kompakt damit ihrem Image gerecht wird, anders und modern zu sein, eben eine Zeitung für DIE Blogger. Vielleicht wäre es für die Weiterentwicklung des Printprodukts Zeitung sinnvoller gewesen, eine Gruppe von echten Lesern einzuladen und diese zu ermuntern, an der Zeitung mitzuarbeiten. Das sind, zumindest wahrscheinlicher, Menschen, die sich um die Zukunft der Zeitung kümmern. Wenn darunter Menschen sind, die online gut vernetzt sind, umso besser. Die Sache hätte sich wahrscheinlich so oder so rumgesprochen.
DIE Blogger gibt es nicht. Unternehmen sollten Beziehungen zu den Menschen aufbauen, die sie erreichen wollen, egal ob mit Pressemeldung oder Facebook-Seite. Ich habe eher das Gefühl, dass mit dem Popanz DIE BLOGGER wieder einmal Mauern aufgebaut werden sollen; so als ob PR mit Bloggern noch schwieriger ist als mit Journalisten, Analysten oder den ganz normalen Menschen da draußen während eines Tages der Offenen Tür. Dem ist nicht so. Und interessanterweise sind es oft bloggende PRler selber, die von DEN Bloggern sprechen und damit auch sich selbst meinen...